|
|
|
Mittlere
Technologien als „freie Hardware“
Mittlere
Technologien sind so gestaltet, dass sie zum Teil vom Nutzer
selbst in Eigenarbeit hergestellt werden können. Der Sinn
dieses Konzeptes ist es, den Menschen in den Regionen die
wirtschaftliche Selbständigkeit zu ermöglichen. Das
heißt gleichzeitig aber auch, dass für die Bezahlung
von Entwicklungsdienstleistungen neue Konzepte gefunden werden
müssen. Hinter vielen mittleren Technologien, die von jedem
nachgebaut werden können, steckt oft ein hoher
Arbeitsaufwand an Experimenten, Fehlversuchen und
Konstruktionsarbeit. Wie soll diese Entwicklungsarbeit, die
hinter den Mittleren Technologien steht, bezahlt werden?
Die
Erhebung von Lizenzgebühren erscheint mir hier persönlich
nur schwer möglich, da die Bezahlung von Lizenzgebühren
kontrolliert werden muss. Außerdem müssen die
Lizenzgebühren gerecht sein, so dass niemand willkürlich
bevorzugt oder benachteiligt wird. Der Aufwand erscheint mir hier
sehr hoch. Außerdem gibt es oftmals Nutzer von mittleren
Technologien, die sich die Lizenzgebühren schlicht nicht
leisten können.
Darum erscheint mir ein
selbstorganisierendes Verfahren der Bezahlung von
Entwicklungsdienstleistungen zweckmäßig. Dies könnte
durch die Bezahlung von Spenden erreicht werden, so wie es
bereits im Bereich der „Open Source Software“ (freie
software) wie Linux erfolgreich praktiziert wird. Viele mittlere
Technologien könnten auf diese Weise zu einer „Open Source
Hardware“ (freie Hardware) werden. In der Praxis sieht das
Verfahren so aus, dass die entwickelte mittlere Technologie in
Form einer Bauanleitung beschrieben wird, die frei bezogen werden
kann. Wichtig ist hier, dass auf die Richtigkeit der
Bauanleitung keine Haftung übernommen wird! Auf der
Bauanleitung, steht ein Richtwert bezüglich der Höhe
der notwendigen Spende. Der Nutzer, der wenig Geld hat, spendet
einen Betrag unterhalb des Richtwertes, der Nutzer, der mehr Geld
hat spendet dementsprechend einen höheren Betrag über
dem Richtwert. Wenn die Bauanleitung von guter Qualität ist,
dann wird der Nutzer der Bauanleitung wahrscheinlich gerne
spenden. Ist die Bauanleitung von schlechter Qualität, dann
wird der Nutzer der Bauanleitung nicht spenden, was in diesem
Falle auch gerechtfertigt ist.
Es mag für manchen
Ingenieur nun erschreckend wirken, dass
Entwicklungsdienstleistungen durch Spenden bezahlt werden. Wenn
man aber bedenkt, wieviele Ideen weltweit entweder in Schubladen
verstauben oder von anderen einfach kopiert werden und wieviele
Stunden unbezahlte Arbeit dadurch von Erfindern und Ingenieuren
geleistet wird, so ist die Bezahlung durch Spenden ein riesiger
Fortschritt. Außerdem wird durch ein Spendenwesen die
Sichtweise vom Wert der Entwicklungsdienstleistung geändert.
Wenn ein Kunde will, dass eine gute Technik auf dem Markt kommt,
dann muss er diese Technik auch fördern, genau so wie ein
Garten gepflegt sein will, damit er gute Erträge liefert.
Für den
Fall, dass die Haftungsfrage einer Ingenieursdienstleistung
eindeutig geklärt sein muss, ist die Erstellung eines
direkten Angebots und die Bezahlung gegen Rechnung notwendig. In
diesem Fall wird nicht die Entwicklung der mittleren Technologie
bezahlt sondern eine ganz konkrete Ingenieursdienstleistung wie
zum Beispiel die Auslegung einer Anlage, eine Beratung für
einen konkreten Fall oder ein Gutachten. Die Bezahlung mit
Angebot und Rechnung hat sich für Ingenieursdienstleistungen
gut bewährt.
Wichtig bei beiden Arten der Bezahlung
ist, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden
müssen.
|
|
|